Markt & Preise · Regionalvergleich

Costa del Sol oder Costa Blanca: Wo deutsche Käufer 2026 richtig liegen

Zwei spanische Küsten, ein Rechtsrahmen — und ein Quadratmeterpreis, der sich um gut ein Drittel unterscheidet. Wir vergleichen Preise, Winterklima, Anreise aus dem deutschsprachigen Raum, Kaufnebenkosten und Vermietung. Und wir sagen, für welches Nutzungsmuster welche Küste die richtige ist.

Immobilienvergleich 2026: links die karge Steilküste der Costa Blanca, rechts der Strand von Marbella an der Costa del Sol vor dem Berg La Concha

Für 400.000 Euro bekommen Sie in Marbella rund 108 Quadratmeter. Für dieselbe Summe sind es in Torrevieja an der Costa Blanca etwa 203. Fast die doppelte Fläche — bei gleichem Land, gleichem Recht und gleichem Kaufprozess.

Der Quadratmeter kostet an der Costa del Sol rund 36 Prozent mehr als an der Costa Blanca. Diese Zahl stimmt. Die Frage, welche Küste für Sie die richtige ist, beantwortet sie trotzdem nicht.

Denn beide Küsten liegen im selben Land, unterliegen demselben Immobilienrecht, demselben Kaufablauf und derselben Besteuerung von Nicht-Residenten. Wer sich für Spanien entschieden hat, entscheidet zwischen den Küsten nicht über Rechtssicherheit, sondern über Alltag: über Flugverbindungen im Januar, über Regentage im Dezember, über die Frage, ob es in erreichbarer Nähe eine deutsche Schule gibt. Das sind die Punkte, an denen deutschsprachige Käufer die Wahl tatsächlich treffen — und ausgerechnet sie tauchen in den üblichen Preisvergleichen nicht auf.

Dieser Artikel dreht die Reihenfolge um. Zuerst die Zahlen, damit die Größenordnung stimmt. Dann die vier Faktoren, die aus 2.000 Kilometern Entfernung wirklich zählen. Und am Ende vier konkrete Käuferprofile mit einer klaren Empfehlung.

Der Preisunterschied ist real — aber kleiner, als die Portale suggerieren

Immobilienportale sind für einen Regionalvergleich das falsche Werkzeug, weil Angebots- und Abschlusspreise in verschiedenen Märkten unterschiedlich weit auseinanderliegen. Die folgenden Werte stammen deshalb von Tinsa, einem der großen spanischen Bewertungsunternehmen: Sie basieren auf tatsächlichen Wertgutachten, nicht auf Inseraten, und sie kommen alle aus demselben Quartal — dem zweiten Quartal 2026. Damit sind sie direkt vergleichbar.

OrtEuro je m²Veränderung zum Vorjahr90-m²-Wohnung
Marbella3.694+18,31 %332.485 €
Málaga Stadt2.932+14,70 %263.849 €
Benidorm2.849+13,66 %256.386 €
Alicante Stadt2.069+17,32 %186.238 €
Orihuela2.052+17,38 %184.724 €
Torrevieja1.967+18,77 %177.036 €
Provinz Málaga (Costa del Sol)2.703+15,05 %243.227 €
Provinz Alicante (Costa Blanca)1.981+20,83 %178.318 €

Quelle: Tinsa, IMIE Mercados Locales, 2. Quartal 2026. Fertiggestellte Neubauten und Bestandswohnungen, ermittelt aus Wertgutachten. Die Spalte „90-m²-Wohnung" ist eine Berechnung von Tinsa aus ungerundeten Werten und ergibt daher nicht exakt den gerundeten Quadratmeterpreis mal 90.

Balkendiagramm mit durchschnittlichen Immobilienpreisen je Quadratmeter an Costa del Sol und Costa Blanca im zweiten Quartal 2026
Die Provinzen trennen 722 Euro je Quadratmeter — auf Gemeindeebene überlappen sich beide Küsten dagegen deutlich.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Der Abstand zwischen den Provinzen ist real, aber überschaubar. 2.703 gegen 1.981 Euro je Quadratmeter bedeuten einen Aufschlag von rund 36 Prozent — bei einer 90-Quadratmeter-Wohnung sind das etwa 65.000 Euro. Viel Geld, aber keine andere Preisklasse.

Zweitens: Die Costa Blanca holt schneller auf. Die Provinz Alicante legte binnen eines Jahres um 20,83 Prozent zu, die Provinz Málaga um 15,05 Prozent. Auf Ebene der autonomen Regionen zeigt sich dasselbe Bild — die Region Valencia stieg um 21,0 Prozent, Andalusien um 10,6 Prozent, bei einem spanienweiten Mittel von 15,5 Prozent. Wer die Costa Blanca für den ewig günstigen Nachbarn hält, sollte diese Zahlen kennen.

Am aufschlussreichsten ist aber die Gemeindeebene. Benidorm liegt mit 2.849 Euro je Quadratmeter fast gleichauf mit Málaga Stadt bei 2.932 Euro. Die beiden Küsten überschneiden sich also weit stärker, als es der Provinzdurchschnitt vermuten lässt. Was die Costa del Sol wirklich unterscheidet, ist das obere Ende: Marbella hat mit 3.694 Euro je Quadratmeter in der gesamten Provinz Alicante keine Entsprechung. Genau diese Knappheit ist es, die den Aufschlag erklärt — nicht die Küste als Ganzes. Wer sich für das obere Segment interessiert, findet in unserer Übersicht zu den besten Wohnlagen in Marbella die Einordnung nach Vierteln, und in unserer Marktübersicht Costa del Sol 2026 das größere Bild.

36 %

höher liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis in der Provinz Málaga gegenüber der Provinz Alicante — bei einem Vorsprung der Costa Blanca beim Preisanstieg.

Was 400.000 Euro auf beiden Küsten kaufen

Zwischen den beiden Extremwerten vom Anfang — 108 Quadratmeter in Marbella, 203 in Torrevieja — liegt ein breites Mittelfeld. In Benidorm kauft dasselbe Budget rund 140 Quadratmeter, in Alicante Stadt etwa 193. Die Costa Blanca ist damit selbst kein einheitlicher Markt — zwischen Benidorm und Torrevieja liegen über 60 Quadratmeter.

Diese Zahlen sind Rechenbeispiele aus Gemeindedurchschnitten, keine Angebote. Eine Wohnung in erster Meereslinie und ein Reihenhaus im Hinterland derselben Gemeinde können sich um den Faktor drei unterscheiden. Als Orientierung taugen sie trotzdem, und übersetzt heißt das: An der Costa Blanca sind 400.000 Euro ein komfortables Familienhaus in guter Küstenlage. An der Costa del Sol westlich von Málaga sind 400.000 Euro eine Wohnung — eine gute, aber eine Wohnung.

Wer die Finanzierung über eine spanische Bank plant, findet die Konditionen und Beleihungsgrenzen für deutsche Käufer in unserem Ratgeber zur Hypothek in Spanien.

Anreise aus dem deutschsprachigen Raum: der Unterschied, der bei jeder Reise zählt

Hier beginnt der Teil, den ein internationaler Vergleich regelmäßig übersieht. Für einen Käufer aus München, Wien oder Zürich ist die Immobilie kein Ort, an dem er wohnt, sondern einer, den er anfliegt — vier-, sechs-, achtmal im Jahr. Die Anreise ist deshalb kein Komfortthema, sondern ein Kostenfaktor und ein Nutzungsfaktor.

Geografisch liegt die Costa Blanca näher. Von den großen deutschsprachigen Abflughäfen ist Alicante rund 300 bis 370 Kilometer näher als Málaga. Als Faustregel: Ab Frankfurt, München oder Zürich sind es etwa zweieinhalb Stunden nach Alicante und rund drei Stunden nach Málaga, ab Wien jeweils rund eine halbe Stunde mehr. Das sind pro Reise 20 bis 30 Minuten — über ein Jahrzehnt und mehrere Reisen im Jahr summiert sich das, entscheidet aber selten allein.

Wichtiger ist die Frage, ob es überhaupt einen Direktflug gibt. Málaga ist der größere Flughafen: 26,76 Millionen Passagiere im Jahr 2025 gegenüber 19,95 Millionen in Alicante, und rund 168 planmäßige Direktziele gegenüber 149. Wer ab einem kleineren Regionalflughafen startet, kommt nach Málaga also eher ohne Umsteigen an.

Wo es wirklich Unterschiede gibt

Betrachtet man nur die deutschsprachigen Abflughäfen, bedient Málaga rund 21 Ziele im Ganzjahresbetrieb, Alicante rund 14. Konkret heißt das:

Abflughafennach Málaganach Alicante
Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln/Bonn, Berlin, Hamburg, Bremen, Memmingen, Münster/Osnabrück, Karlsruhe/Baden-Baden, Weezeganzjährigganzjährig
Stuttgartganzjährigkeine Direktverbindung
Nürnbergganzjährigkeine Direktverbindung
Hannoverganzjährigganzjährig ab Winter 2026/27
Wienganzjährig (zwei Airlines)ganzjährig (eine Airline)
Zürichganzjährigganzjährig
Genfganzjährig (zwei Airlines)ganzjährig (eine Airline)
Baselganzjährigganzjährig

Stand August 2026, Auswertung der veröffentlichten Streckennetze beider Flughäfen. Flugpläne ändern sich saisonal — prüfen Sie Ihre konkrete Verbindung vor der Kaufentscheidung. Leipzig, Dortmund, Salzburg, Innsbruck und Graz haben zu keinem der beiden Ziele eine Direktverbindung.

Vergleich der ganzjährigen Direktflugverbindungen aus dem deutschsprachigen Raum nach Málaga und Alicante im Winter 2026 und 2027
Málaga hat das breitere Ganzjahresnetz ab dem deutschsprachigen Raum. Alicante ist dafür näher — und legt im Winterflugplan 2026/27 zu.

Zwei Details verdienen Aufmerksamkeit. Aus Österreich fliegt Austrian Airlines ganzjährig nach Málaga, nach Alicante dagegen nur in der Sommersaison — die Ganzjahresverbindung ab Wien nach Alicante hält allein Ryanair. Und die Costa Blanca baut aus: Eurowings hat die Strecke Hannover–Alicante zum Winterflugplan 2026/27 auf Ganzjahresbetrieb umgestellt.

Vom Flughafen bis vor die Tür

Dieser Punkt zeigt sich auf jeder einzelnen Reise und wird beim Kauf am häufigsten unterschätzt. Der Flughafen Málaga bedient einen kompakten Küstenstreifen: Fuengirola, Marbella und Estepona liegen alle innerhalb von rund 75 Kilometern an derselben Autobahn, Marbella bei normalem Verkehr etwa 45 Minuten entfernt über die Mautstrecke AP-7.

Der Flughafen Alicante bedient eine deutlich weiter auseinandergezogene Region. Torrevieja im Süden erreichen Sie in rund 45 Minuten. Moraira und Jávea im Norden — dort, wo die deutschsprachige Gemeinschaft am stärksten ist — liegen dagegen anderthalb Stunden und mehr entfernt, weshalb viele Käufer der Marina Alta stattdessen über Valencia anreisen. Wer eine Wohnung in Marbella gegen eine Villa in Jávea abwägt, sollte einrechnen, dass der Transfer im zweiten Fall etwa doppelt so lang ist — und zwar bei jeder An- und jeder Abreise.

Winter: der eigentliche Härtetest

Beide Küsten werben mit Sonne, und die amtlichen Zahlen sind unspektakulärer als die Prospekte. Nach den langjährigen Mittelwerten des spanischen Wetterdienstes AEMET verzeichnet Málaga 2.905 Sonnenstunden im Jahr, Alicante 2.953 — ein Unterschied von weniger als zwei Prozent, den Sie vor Ort nie bemerken werden. Die mittlere Tageshöchsttemperatur im Januar liegt bei 16,8 beziehungsweise 16,7 Grad. Bei Sonne und Wintermilde nehmen sich beide Küsten also nichts.

Der Unterschied liegt im Regen — und dort ist er erheblich. Málaga kommt auf 534 Millimeter Niederschlag im Jahr, Alicante auf 277. Entscheidender als die Jahressumme ist die Verteilung: In den Monaten November, Dezember und Januar fallen in Málaga rund 269 Millimeter, in Alicante rund 77. Málaga bekommt seinen Regen zudem in wenigen, kräftigen Ereignissen, weshalb sich ein Winter an der Costa del Sol abrupt nass anfühlen kann, während die Jahressonnenbilanz gut bleibt.

Vergleich des Winterniederschlags von November bis Januar an Costa del Sol und Costa Blanca in Millimetern
269 gegen 77 Millimeter von November bis Januar — der größte messbare Unterschied zwischen beiden Küsten.

Für Überwinterer ist das die relevanteste Zahl des ganzen Vergleichs. Wenn trockene Winter das Ziel sind, spricht die Datenlage eindeutig für die Costa Blanca. Wenn Sie im Winter grüne Hänge statt karger Trockenvegetation sehen wollen, spricht sie für die Costa del Sol — die Kehrseite des Regens ist die Landschaft.

Beide Küsten haben allerdings ausgeprägte Kleinklimata. Die Sierra Blanca schirmt Marbella gegen Nordwinde ab, das Bergmassiv Montgó macht Jávea und Dénia feuchter, und die Gegend um Torrevieja gilt bereits als halbtrocken statt mediterran. Ortsgenaue Sonnen- und Regenwerte kursieren reichlich, weichen zwischen den Quellen aber so stark voneinander ab, dass wir hier bewusst keine nennen.

Deutschsprachiges Umfeld: mehr Deutsche hier, mehr deutsche Institutionen dort

Dies ist der Befund, der die meisten Käufer überrascht — weil beide Küsten in entgegengesetzte Richtungen punkten.

Bei den Menschen liegt die Costa Blanca vorn. Nach dem spanischen Melderegister, dem Padrón, waren zum Stichtag 1. Januar 2022 in der Provinz Alicante 14.503 deutsche Staatsangehörige gemeldet, in der Provinz Málaga 10.452 — rund 39 Prozent mehr an der Costa Blanca. Der Schwerpunkt liegt im Norden der Provinz, in der Marina Alta um Jávea, Dénia und Moraira, wo Deutsche und Niederländer die Briten inzwischen als größte ausländische Gruppe abgelöst haben. An der Costa del Sol konzentriert sich die deutsche Gemeinschaft auf Torrox, Marbella und Mijas.

Für Österreicher und Schweizer veröffentlicht das spanische Statistikamt keine Zahlen auf Provinzebene — die Angaben beziehen sich ausschließlich auf deutsche Staatsangehörige.

Bei den Institutionen liegt die Costa del Sol vorn — und zwar klar. Die Deutsche Schule Málaga, das Colegio Alemán Juan Hoffmann, steht in Ojén bei Marbella. Sie ist eine von der Kultusministerkonferenz anerkannte deutsche Auslandsschule mit durchgehendem Bildungsweg vom Kindergarten bis zum Abitur und rund 700 Schülern. An der Costa Blanca gibt es keine deutsche Auslandsschule; die nächste steht in Valencia, gut anderthalb Stunden entfernt. Vor Ort finden Sie internationale Schulen mit Deutsch als Fremdsprache, aber keinen deutschsprachigen Weg zum Abitur.

Ähnlich sieht es bei der konsularischen Betreuung aus. In Málaga unterhält Deutschland ein hauptamtliches Berufskonsulat, zuständig für ganz Andalusien sowie Ceuta und Melilla. Alicante hat lediglich eine Honorarkonsulin, angebunden an das Generalkonsulat in Barcelona. Für Beglaubigungen, Passangelegenheiten und Notfälle macht das einen Unterschied.

Daraus wird eine brauchbare Faustregel: Deutsche Nachbarn finden Sie eher an der Costa Blanca, deutsche Institutionen an der Costa del Sol. Wer eine Schule für seine Kinder braucht, hat damit keine echte Wahl mehr.

Zur Dichte deutschsprachiger Anwälte, Steuerberater und Ärzte kursieren viele Behauptungen und keine belastbaren Zahlen. Eine Statistik nach Sprachkompetenz führt niemand. Beide Küsten haben eine über Jahrzehnte gewachsene Dienstleisterlandschaft; in keiner der beiden werden Sie sprachlich alleingelassen.

Kaufnebenkosten: 7 Prozent gegen 9 Prozent

Notarkosten, Grundbuchgebühren, Anwaltshonorare und Kreditkosten funktionieren an beiden Küsten gleich, und die Besteuerung von Nicht-Residenten ist ohnehin bundesweit einheitlich geregelt. Es gibt jedoch einen regionalen Unterschied, und er ist nennenswert: die Grunderwerbsteuer beim Kauf einer Bestandsimmobilie.

Andalusien erhebt auf Bestandsimmobilien pauschal 7 Prozent Grunderwerbsteuer, die spanische ITP, mit ermäßigten Sätzen für bestimmte Käufergruppen. Die Region Valencia hat ihren allgemeinen Satz zum 1. Juni 2026 von 10 auf 9 Prozent gesenkt. Übersteigt der Wert der Immobilie eine Million Euro, gelten stattdessen 11 Prozent — und zwar auf den gesamten Betrag, nicht nur auf den übersteigenden Teil. Bei Neubauten fallen dagegen in beiden Regionen 10 Prozent Mehrwertsteuer an — der Vergleich betrifft also ausschließlich Bestandsimmobilien.

Vergleich der Grunderwerbsteuer auf Bestandsimmobilien in Andalusien und der Region Valencia bei 400.000 und 1,2 Millionen Euro Kaufpreis
Bei 400.000 Euro trennen beide Regionen 8.000 Euro. Oberhalb der Millionenschwelle werden daraus 48.000.

In Zahlen: Bei einer Bestandsimmobilie für 400.000 Euro sind das 28.000 Euro in Andalusien gegenüber 36.000 Euro in der Region Valencia — ein Unterschied von 8.000 Euro, der einen Teil des niedrigeren Kaufpreises der Costa Blanca wieder aufzehrt. Oberhalb der Millionenschwelle öffnet sich die Schere weit: Bei 1,2 Millionen Euro stehen 7 Prozent in Andalusien gegen 11 Prozent in der Region Valencia — 84.000 gegenüber 132.000 Euro, also 48.000 Euro Unterschied. Beachten Sie die Schwelle genau: Sie greift erst oberhalb von einer Million, bei exakt 1.000.000 Euro gelten noch 9 Prozent. Für Käufer im oberen Segment verkleinert die steuerliche Behandlung der Costa del Sol einen Preisabstand, der auf den Portalen entscheidend aussieht, merklich.

Was Sie darüber hinaus einplanen müssen — Notar, Grundbuch, Anwalt, die spanische Steuernummer NIE — steht in unserem Leitfaden zum Immobilienkauf in Spanien. Die laufende Besteuerung, insbesondere die jährliche Erklärung für Nicht-Residenten über das Formular Modelo 210, behandeln wir ausführlich im Steuerratgeber. Sie gilt an beiden Küsten identisch: Auch wer die Immobilie ausschließlich selbst nutzt und gar nicht vermietet, gibt in Spanien jährlich eine Erklärung ab.

Regionale Steuersätze ändern sich häufiger als nationale. Alle Angaben nach dem Stand August 2026. Dies sind allgemeine Informationen und keine Steuer- oder Rechtsberatung — lassen Sie Ihre konkrete Situation vor dem Kauf von einer spanischen Anwaltskanzlei oder einem Steuerberater prüfen.

Vermietung: höhere Rendite, härtere Lizenzlage

Wer die Immobilie in der eigenen Abwesenheit vermieten will, findet an der Costa Blanca rechnerisch die besseren Renditen — und die schwierigere Genehmigungslage.

Zu den Renditen: Nach den Quartalszahlen von idealista sind die Bruttomietrenditen spanienweit binnen eines Jahres von 7,2 auf 6,5 Prozent gesunken. Auf Stadtebene lag Málaga im zweiten Quartal 2026 bei 5,2 Prozent, Alicante im ersten Quartal bei 6,2 Prozent. Weil es unterschiedliche Quartale sind, taugt der Vergleich nur als Richtung, nicht als exakte Gegenüberstellung. Die Richtung passt aber zur Preislogik: Höhere Kaufpreise drücken die Rendite.

Die Auslastung in der Hochsaison ist auf beiden Küsten hoch — im August 2026 erreichte die Ferienvermietung in der Provinz Alicante 92,2 Prozent, an der Costa del Sol 86,8 Prozent. Der Unterschied liegt in der Nebensaison, und innerhalb der Costa Blanca ist das Bild selbst sehr uneinheitlich: Über das Jahr gerechnet reicht die Auslastung in der Provinz von rund 50 Prozent in Alicante Stadt bis unter 30 Prozent in manchen Badeorten des Südens. Wenn Mieteinnahmen ein tragender Teil Ihrer Rechnung sind, kalkulieren Sie mit den Zahlen des konkreten Ortes, nicht der Küste.

Die Lizenz ist die eigentliche Hürde

Eine neue Ferienvermietungslizenz zu bekommen, ist an beiden Küsten schwieriger geworden — und die Regeln unterscheiden sich inzwischen so weit, dass sie die Standortwahl beeinflussen.

In der Region Valencia setzt eine Neuanmeldung im Tourismusregister einen positiven städtebaulichen Verträglichkeitsbescheid der Gemeinde voraus, und die Eintragung gilt nur noch fünf Jahre statt unbefristet. Die Stadt Alicante hat die Neuvergabe vollständig ausgesetzt, was Anfang 2026 gerichtlich bestätigt wurde; Xàbia, also Jávea, hat die Vergabe ebenfalls ausgesetzt und führt Quoten nach Stadtvierteln ein. Zugleich wird das bestehende Register aktiv bereinigt: Im Jahr 2025 wurden über 18.000 Einträge wegen unvollständiger Unterlagen gelöscht.

In Andalusien haben die Gemeinden dieselbe Befugnis, und die Stadt Málaga hat sie genutzt: Eine Ende Juli 2026 in Kraft getretene Maßnahme schließt die Stadt faktisch für bis zu drei Jahre für neue touristische Nutzungen auf Wohnbauland. Die Badeorte westlich der Stadt — Marbella, Estepona, Fuengirola — hatten Stand August 2026 keine vergleichbare pauschale Sperre verhängt; Marbella hat ein eigenes kommunales Register angekündigt. Weil solche Beschlüsse kurzfristig gefasst werden können, betrachten Sie das ausdrücklich als Momentaufnahme.

Eine Regel gilt unabhängig von der Gemeinde auf beiden Küsten: Eine nationale Reform verlangt inzwischen die ausdrückliche Zustimmung der Eigentümergemeinschaft, bevor eine Wohnung in einem Mehrparteienhaus touristisch vermietet werden darf. Wenn Sie eine Wohnung zur Vermietung kaufen, lesen Sie die Gemeinschaftsordnung, bevor Sie etwas unterschreiben.

Kurz gefasst: In beiden Provinzhauptstädten ist eine neue Lizenz derzeit praktisch nicht zu bekommen. Für den typischen deutschsprachigen Käufer, der ohnehin einen Badeort und keine Großstadt sucht, ist die Costa del Sol westlich von Málaga aktuell der einfachere Weg, während die Costa Blanca zusätzlich die Fünfjahresbefristung und die laufende Registerbereinigung mitbringt. Klären Sie die Lage vor dem Kauf mit dem konkreten Rathaus.

Vier deutschsprachige Käuferprofile — und welche Küste jeweils passt

Die Datenlage ist damit vollständig. Bleibt die Übersetzung in eine Entscheidung. Die folgenden vier Profile decken den weit überwiegenden Teil der deutschsprachigen Käufer ab.

1. Der Überwinterer

Sie verbringen die Monate November bis März in Spanien, kommen mit einem Flug pro Saison aus und legen Wert auf trockene, milde Wintertage im Freien. Die 269 gegen 77 Millimeter Winterregen sind für Sie kein Nebenaspekt, sondern der Kern der Sache — und die Sonnenstunden sind ohnehin gleich. Die schlankere Winterflugverbindung fällt kaum ins Gewicht, weil Sie selten fliegen. → Costa Blanca, klar

2. Die Familie mit Schulkindern

Sie verlagern den Lebensmittelpunkt oder verbringen längere Abschnitte des Jahres vor Ort, und die Kinder sollen einen deutschsprachigen Bildungsweg behalten. Damit ist die Entscheidung faktisch gefallen: Die einzige deutsche Auslandsschule Südspaniens steht bei Marbella. Dass die Costa del Sol teurer ist, ändert daran nichts — es gibt schlicht keine gleichwertige Alternative an der Costa Blanca. → Costa del Sol, ohne echte Alternative

3. Die Ferienimmobilie mit Vermietung

Sie nutzen die Immobilie mehrere Wochen im Jahr selbst und wollen sie in der übrigen Zeit vermieten. Hier zählt zuerst die Lizenzfrage, nicht die Rendite — eine Immobilie, die Sie nicht vermieten dürfen, bringt null Prozent. Rechnerisch liegt die Costa Blanca vorn, in der Praxis ist die Genehmigungslage dort derzeit unsicherer. Prüfen Sie die konkrete Gemeinde, bevor Sie sich auf eine Küste festlegen. → Offen — die Gemeinde entscheidet, nicht die Küste

4. Der Ruhestand ohne Schulthema

Sie verlagern den Wohnsitz dauerhaft, die Kinder sind aus dem Haus, das Budget liegt unter etwa 500.000 Euro. Sie bekommen an der Costa Blanca deutlich mehr Fläche, trockenere Winter und eine größere deutschsprachige Nachbarschaft. Was Sie aufgeben, ist die konsularische Betreuung vor Ort und ein Teil der Flugverbindungen im Winter. Für dieses Profil ist der Aufschlag an der Costa del Sol am schwersten zu rechtfertigen. → Costa Blanca, mit Blick auf die Anreise

Fazit: Die ehrliche Antwort

Es gibt keine bessere Küste, und wer Ihnen etwas anderes erzählt, verkauft Ihnen etwas. Es gibt einen Aufschlag von rund 36 Prozent, und die Frage ist ausschließlich, wofür Sie ihn zahlen.

Die Costa del Sol verkauft Ihnen Markttiefe im oberen Segment, deutsche Institutionen, das breitere Ganzjahres-Flugnetz aus dem deutschsprachigen Raum, kurze Wege vom Flughafen und die günstigere Grunderwerbsteuer. Bei Kaufpreisen über einer Million Euro macht allein der Steuersatz einen erheblichen Teil des Preisunterschieds wieder wett. Wenn Sie eine deutsche Schule brauchen oder ganzjährig vor Ort sein wollen, ist die Rechnung schnell gemacht.

Die Costa Blanca verkauft Ihnen Fläche, trockene Winter, eine größere deutschsprachige Gemeinschaft, den schnelleren Preisanstieg und die kürzere Anreise. Unterhalb von etwa 500.000 Euro bekommen Sie dort für dasselbe Geld schnell 50 bis 90 Quadratmeter mehr. Der Preis dafür ist eine dünnere Institutionenlandschaft, längere Wege vom Flughafen in den beliebten Norden und eine derzeit strengere Lizenzpraxis bei der Ferienvermietung.

Zwischen 500.000 und 700.000 Euro lässt sich die Frage nicht am Schreibtisch entscheiden. Unser Rat: Planen Sie zwei Besichtigungsreisen — und legen Sie beide in die kalte Jahreszeit. Zwischen Juni und September sehen beide Küsten sich zum Verwechseln ähnlich; erst im Januar zeigt sich, worin sie sich tatsächlich unterscheiden, und genau dieser Unterschied ist es, mit dem Sie anschließend jahrzehntelang leben.

Wie der Kauf danach abläuft, ist an beiden Küsten identisch und sollte vor der ersten Besichtigung klar sein — der Schritt-für-Schritt-Leitfaden zum Immobilienkauf in Spanien führt Sie durch den gesamten Ablauf.

Häufige Fragen

Ist die Costa Blanca günstiger als die Costa del Sol?

Ja. Im zweiten Quartal 2026 bewertete Tinsa Wohnimmobilien in der Provinz Alicante mit durchschnittlich 1.981 Euro je Quadratmeter, in der Provinz Málaga mit 2.703 Euro — die Costa del Sol ist damit rund 36 Prozent teurer. Am oberen Ende ist der Abstand größer: Marbella liegt bei 3.694 Euro je Quadratmeter und hat an der Costa Blanca keine Entsprechung. Der Abstand schrumpft allerdings, weil die Preise in der Provinz Alicante mit 20,83 Prozent im Jahresvergleich schneller stiegen als in Málaga mit 15,05 Prozent.

Welche Küste hat das bessere Winterklima?

Bei Sonne und Temperatur nehmen sich beide nichts — die langjährigen AEMET-Mittelwerte liegen bei rund 2.900 bis 2.950 Sonnenstunden im Jahr und mittleren Januar-Höchstwerten von 16,7 bis 16,8 Grad. Der Unterschied liegt im Regen: Málaga verzeichnet 534 Millimeter im Jahr, Alicante 277, und die Differenz konzentriert sich auf die Wintermonate. Von November bis Januar fallen in Málaga rund 269 Millimeter, in Alicante rund 77. Für trockene Winter hat die Costa Blanca den klaren Vorteil.

Wie komme ich aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz besser hin?

Alicante liegt rund 300 bis 370 Kilometer näher, was etwa 20 bis 30 Minuten kürzerer Flugzeit entspricht. Málaga hat dafür das breitere Ganzjahresnetz: rund 21 deutschsprachige Abflughäfen im Ganzjahresbetrieb gegenüber etwa 14 nach Alicante. Ab Stuttgart und Nürnberg gibt es nur nach Málaga Direktflüge, ab Wien fliegt Austrian Airlines nur nach Málaga ganzjährig. Der im Alltag größere Unterschied ist der Bodentransfer: Die Kaufregionen um Marbella liegen alle innerhalb von etwa 75 Kilometern vom Flughafen Málaga, während der nördliche Teil der Costa Blanca anderthalb Stunden und mehr von Alicante entfernt ist.

Sind die Kaufnebenkosten an beiden Küsten gleich?

Nein. Die Grunderwerbsteuer auf Bestandsimmobilien wird regional festgelegt. Andalusien erhebt pauschal 7 Prozent, die Region Valencia seit dem 1. Juni 2026 9 Prozent — und 11 Prozent, sobald der Wert der Immobilie eine Million Euro übersteigt. Bei einer Bestandsimmobilie für 400.000 Euro sind das 8.000 Euro Unterschied zugunsten Andalusiens, bei 1,2 Millionen Euro schon 48.000 Euro. Neubauten werden in beiden Regionen mit 10 Prozent Mehrwertsteuer belegt, und alle übrigen Steuern für Nicht-Residenten sind national einheitlich geregelt. Regionale Sätze ändern sich — lassen Sie Ihre Situation vor dem Kauf fachlich prüfen.

Wo leben mehr Deutsche — und wo gibt es eine deutsche Schule?

Das fällt auseinander. Nach dem spanischen Melderegister waren zum 1. Januar 2022 in der Provinz Alicante 14.503 deutsche Staatsangehörige gemeldet, in der Provinz Málaga 10.452 — rund 39 Prozent mehr an der Costa Blanca, mit Schwerpunkt im Norden um Jávea, Dénia und Moraira. Die deutschen Institutionen sitzen dagegen an der Costa del Sol: Die Deutsche Schule Málaga in Ojén bei Marbella ist die einzige anerkannte deutsche Auslandsschule Südspaniens und führt vom Kindergarten bis zum Abitur. An der Costa Blanca gibt es keine; die nächste steht in Valencia. Auch das deutsche Berufskonsulat sitzt in Málaga, Alicante hat nur eine Honorarkonsulin.

Welche Küste eignet sich besser für die Ferienvermietung?

Rechnerisch bringt die Costa Blanca höhere Bruttorenditen, weil die Kaufpreise niedriger sind — idealista weist für Alicante Stadt 6,2 Prozent im ersten Quartal 2026 aus, für Málaga 5,2 Prozent im zweiten Quartal; die unterschiedlichen Quartale machen das zu einer Richtungsangabe, nicht zu einem exakten Vergleich. Wichtiger ist die Lizenzfrage: Alicante Stadt und Xàbia haben die Neuvergabe von Ferienvermietungslizenzen ausgesetzt, in der Region Valencia laufen Lizenzen nach fünf Jahren aus, und Málaga Stadt vergibt ebenfalls keine neuen mehr. In den Badeorten westlich von Málaga ist die Lage derzeit entspannter. Prüfen Sie immer die konkrete Gemeinde, bevor Sie davon ausgehen, dass Sie vermieten dürfen.

Quellen: Tinsa (IMIE Mercados Locales, 2. Quartal 2026) für alle Preis- und Bewertungsangaben; AEMET-Klimamittelwerte der Stationen Málaga Aeropuerto und Alicante-Elche für die Klimadaten; Aena für die Passagierzahlen; veröffentlichte Streckennetze beider Flughäfen für die Flugverbindungen; INE (Padrón, Stichtag 01.01.2022) für die Einwohnerzahlen; idealista für Mietrenditen und Auslastung. Steuersätze nach dem Stand August 2026. Dieser Artikel ist eine redaktionelle Information und keine Rechts- oder Steuerberatung — lassen Sie Ihre Situation vor einem Kauf von einer qualifizierten spanischen Kanzlei oder einem Steuerberater prüfen.

Teil unserer redaktionell unabhängigen Marktvergleiche für deutschsprachige Käufer. Lesen Sie auch: Costa del Sol vs. Algarve und Costa del Sol vs. Côte d'Azur.

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